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| Entwurf von Hermann Buß für den linken Außenteil der Kanzel in Oldenstadt |
Die romanische Klosterkirche St. Johannes der Täufer in Oldenstadt erfährt in diesem Jahr eine bedeutende Neuerung: Der Kanzelkorb wird um fünf Gemälde des ostfriesischen Künstlers Hermann Buß bereichert. Die Entwürfe zu diesen neuen Kirchenbildern liegen nun der Öffentlichkeit vor.
Anlass für den Auftrag an Hermann Buß war die Spende eines Oldenstädter Gemeindemitglieds; diese wurde der Gemeinde mit der Maßgabe übermittelt, etwas Bleibendes in der Kirche zu schaffen. In einem Gespräch mit Dr. Hasso von Poser, dem Kunstreferenten der hannoverschen Landeskirche, entstand die Idee, die Gemälde des Kanzelkorbes auszutauschen. Noch sind dort drei Werke integriert, die dringend restaurierungsbedürftig sind. Bei dem Zentralbild handelt es sich um eine wenig qualitätvolle Reproduktion des berühmten Andachtsbildes „Ecce Homo“ (um 1639) von dem Bologneser Barockmaler Guido Reni. Die Oldenstädter Kopie eines Berliner Künstlers aus dem Jahre 1931 wird nach seiner Restaurierung wahrscheinlich an anderem Ort in der Kirche seinen Platz finden – genauso wie die beiden Seitenbilder, die Evangelisten zeigen.
Zu Jahrebeginn wurde Hermann Buß zunächst mit der Vorlage von Entwürfen beauftragt. Ein Thema war ihm nicht vorgegeben. Dass die neuen Werke ikonographisch unkonventionell sein würden, war allen Beteiligten von vornherein klar. Bekannt geworden ist der ostfriesische Künstler durch seine kritisch-realistischen Altarbilder, wie z. B. das „Gestrandete Schiff“ in der Langeooger Inselkirche von 1990, mit dem er es verstand, den Betrachter mittels zeitgemäßer christlicher Metaphorik zum Nachdenken zu bewegen. Auch sammelte Buß bereits Erfahrungen mit mehrteiligen Arbeiten, wie das vierteilige Warzener Altarbild von 1998 und das im vergangenen Jahr fertiggestellte Triptychon in der St.-Briccius-Kirche in Adenstedt zeigen.
Für den Oldenstädter Kanzelkorb legte Buß sogar einen fünfteiligen Entwurf vor. Wichtig war ihm, dass das Werk mit dem Innenraum der Kirche, insbesondere mit den bunten Glasfenstern, harmoniert, weshalb er reduzierte Motive und gedeckte Farben wählte. Wie im Langeooger Bild geht es auch hier um „Treibgut“: So zeigt das Zentralmotiv zwei dunkelhäutige Männer unter einem bewegten Himmel, die gestrandet zu sein scheinen. Hinter ihnen sind Menschen dargestellt, die auf sie zugehen und sie anstarren. Die beiden Figuren im Vordergrund erinnern an die zahlreichen Flüchtlinge, die, aus Afrika kommend, an den europäischen Mittelmeerstränden „angespült“ werden. Hermann Buß nennt sie die „Gekreuzigten unserer Zeit. Heimatlose, Getriebene, Scheiternde - wie das Vorbild.“ Der Künstler übertrug also das traditionelle Christusmotiv - der Heiland als Leidender - in die Gegenwart. Das Kreuz selbst ist auch in das Bild integriert, es erscheint als Reifenspur im Sand. Bei den zwei mittleren Szenen handelt es sich zum einen um den Klein Liederner Bach, der durch Oldenstadt fließt und den Buß den "sicher ältesten Zeugen der Geschichte dieser Stätte" nennt, zum anderen um einen Grabstein auf dem Kirchengelände, auf dem ein Schmetterling an die Auferstehung erinnert. Beide Motive wählte der Künstler, um einen Bezug zur Umgebung zu schaffen und auch, um die Gegensätze Kultur und Natur zu betonen.
Die beiden Außenbilder zeigen Menschen der Gegenwart. Ihre Gesichter sind nicht zu sehen, es könnte sich um jedermann handeln. Auch hier ist das Kreuz dargestellt: einmal als senkrechter Balken im rechten und waagerechter im linken Bild. Die Balken fungieren als Stützen und Begleiter der Figuren und besagen laut Buß: „Ein „gutes“ Leben ist nicht unbedingt ein „leichtes" Leben. Die Figuren stehen aber auch für Demut und Innehalten und können als „moderne Evangelisten“ gedeutet werden. Damit nehmen diese Bilder auf ihre Weise das Thema der alten Evangelistenmotive auf.
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| Entwurf von Hermann Buß für den Mittelteil der Kanzel |
Das Werk wird voraussichtlich im Herbst 2006 der Oldenstädter Gemeinde erstmals präsentiert werden.