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| From the diary of the Architect Jerusalem of above, Jerusalem of below, 1983. Tinte, Garn und Knöpfe auf Papier, 40x30 cm. Copyright Joseph Semah 2007. |
„Für ihn gibt es keine leere Bildersprache, sondern ihn interessiert, wie gewisse visuelle Muster und Zeichen in der westlichen Welt funktionieren, die bei aller oberflächlichen Säkularisierung sehr stark vom jüdisch-christlichen Erbe geprägt sind“ (Projektflyer: Joseph Semah, „The Song of the Sea“).
„Die überraschenden, manchmal gewagten Verbindungen, die er zwischen wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Quellen knüpft, zeigt Semah in einem eigensinnigen Oeuvre. Seine Bilder, Zeichnungen, Installationen und Texte können daher auch als künstlerische ‚Fußnoten’ zu den Urtexten wie Torah und Bibel verstanden werden, als persönliche Kommentare mit einem reflektierenden, teils kritischen Charakter“ (Ausstellungsinformation des Museums van Bommel van Dam/ Venlo zu Joseph Semah, „Read Full Text“).
Joseph Semah versucht in seiner Kunst, verschiedene Bedeutungsschichten von Symbolen sichtbar zu machen. Kunst ist für ihn Präsentation, die Bedeutungsverschiebungen von Symbolen und Traditionen visualisiert und für den Moment greifbar macht. Sie erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit sondern hinterfragt die Normativität von Symbolen.
Ein zentrales, immer wiederkehrendes Motiv in Semahs Oeuvre ist das Motiv „Jerusalem von oben und von unten“. In seinen Installationen und Werken rund um Jerusalem arbeitet Semah daher häufig mit Spiegelungen. Vorbild dafür ist sein Bild „From the diary of the architect“ von 1983. Das Motiv Jerusalem von oben und von unten, symbolisiert durch Bilder, Grundrisse und Anspielungen auf die Form des Tempels, durchzieht sein Schaffen in verschiedenen Variationen (vgl. dazu: Joseph Semah, Read Full Text, Museum van Bommel van Dam, 11).
From the diary of the Architect Jerusalem of above, Jerusalem of below,
1983. Tinte, Garn und Knöpfe auf Papier, 40x30 cm.
Copyright Joseph Semah 2007.
Semahs Wunsch ist es, ein Gespräch mit der westlich-christlich geprägten Kultur zu führen, das von gegenseitiger Anerkennung, vom Ansehen des anderen geprägt ist. In diesem Zusammenhang betont der Künstler immer wieder, dass er sich selbst als „Gast“ versteht. Gastfreundschaft „HASBARAT PANIEM“ (hebr.) bedeutet so viel wie „das Angesicht eines anderen erklären“. Es geht im letzten also um eine Begegnung auf Augenhöhe.
Semahs Kunst ist damit Aufforderung zu einer (selbst)kritischen Auseinandersetzung, zu einer offenen Debatte, an der jeder Betrachter ganz persönlich und aktiv teilnehmen soll.