Michaeliskloster Hildesheim
Reihe: Für den Gottesdienst
Filmgottesdienste

Das neue Heft „Für den Gottesdienst“ aus dem Michaeliskloster Hildesheim/Februar 2008 hat als einen Themenschwerpunkt „Filmgottesdienste“. Auf S. 4 – 18 sind drei exemplarische und formal wie inhaltlich unterschiedlich Entwürfe zu „American Beau-ty“ (Ralf Drewes), zu „Vaya con Dios“ (Christian Ceconi) und zu „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ (David Geiß) zu finden. Sie zeigen, wie man Filmgottesdienste gestalten kann und welche Verkündigungsformen geeignet sind. Empfehlenswert! 


Thomas Bohrmann, Werner Veith, Stephan Zöller (Hg.)
Handbuch Theologie und Populärer Film, Band 1
Paderborn 2007: Ferdinand Schöningh, 376 Seiten 39,90 Euro

Vor gut zehn Jahren ist es noch ein wissenschaftliches Wagnis gewesen in einer Doktorarbeit populäre Filme theologisch zu deuten. Viel hat sich hier verändert, und vor allem: erstaunlich schnell. Das vorliegende Handbuch „Theologie und Populärer Film Bd.1 bietet nun die Ergebnisse intensiver interdisziplinären Arbeiten und Erkenntnisfortschritte des letzten Jahrzehntes.
Mit einer neuen Aufmerksamkeit und Neugierde für die filmischen und ästhetischen Stilmittel eignen sich TheologInnen filmwissenschaftliche und filmkritische Kenntnisse an und integrierten die Film-, Medien-, und Kulturwissenschaften theologische und religiöse Fragestellungen und Perspektiven.
Die Einleitung der (katholischen) Herausgeber Thomas Bohrmann, Werner Veith und Stephan Zöller fasst es so: „Keine gesellschaftlich relevante Gruppe in Deutschland verfügt über eine so hohe kulturelle Kompetenz in Sachen Film wie die beiden großen Konfessionen“ (S.11.). Der konfessionelle Aspekt ist dabei ein interessanter: Seit den 1980er Jahren gibt es auf evangelischer wie katholischer Seite Arbeitskreise und Forschungsgemeinschaften zwischen Universität, Akademien und Praktikern in Gemeinde und Schule – und oft arbeiten sie zu ähnlichen oder sogar denselben Themen und werden die jeweiligen Veröffentlichungen mit Interesse wahrgenommen; eine Kontaktaufnahme oder gar eine Zusammenarbeit geschieht jedoch nur selten. Dieses Handbuch ist nun bewusst ökumenisch angelegt und bringt so eine große Anzahl unterschiedlicher Positionen zusammen, um den bisherigen Wissensstand systematisch zu ordnen.
Ein Handbuch ist in erster Linie ein Nachschlagewerk zur raschen und dabei zugleich umfassenden und aktuellen Information für unterschiedliche Zielgruppen. Das ist kein leichtes Unterfangen, das die Herausgeber und die knapp zwanzig weiteren AutorInnen jedoch durch die Bank bravourös meistern. Nach einer gut lesbaren Grundlegung zur Dramaturgie des populären Filmes von Thomas Bohrmann gliedert sich das Handbuch in vier Kapitel: Genres (wie Liebesfilm, Science- and Fantasy-Fiction, Kriegs- und Horrorfilm), Figuren (Erlöser, Engel, Märtyrer, Teufel), Regisseure (Peter Weir, Steven Spielberg, David Fincher, John Woo und die Wachowski-Brüder) sowie Themen (Künstliche Intelligenz, Tod, Immanenz, Aufklärungsprozesse und Selbstenfremdung). Dass bei  einem notwendigen Auswahlverfahren kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht ist einleuchtend, und der Freiraum, den die AutorInnen erhalten und beansprucht haben, spricht für sie und ermöglicht auch für ExpertInnen Erkenntnisgewinn wie bei Charles Martig zu „David Fincher: Die Hölle auf Erden oder David Finchers negative  Theologie“ oder Thomas Hausmanninger mit „Postmetaphysische Körper sind der Horror: Die Kritik des Horrorfilms an der Verabsolutierung der Immanenz“ oder fasst klassische film-theologische  Themen gut zusammen wie  bei Inge Kirsner zu „Aliens, Cyborgs, Amazonen: Erlöserinnen und Erlöser im Film“ oder Thomas Bohrmanns „Priesterfiguren im Unterhaltungskino“. 
Als einzige leise Kritik möchte ich anmerken, dass ich mir in der Regisseure-Auswahl auch wirkungsmächtigere und bekanntere VertreterInnen hätte vorstellen können, und dass der Horrorfilm gegenüber ‚leichteren’ Kinospielarten etwas zu stark vertreten ist. Anschaulich im besten Sinne des Artikels sind jedoch alle Artikel. Ein Crash-Kurs für Theologie-Film-EinsteigerInnen und für Fortgeschrittene ein Lesegenuss.
(Dr. Julia Helmke)

Steffen Marklein/Ursula Rudnick (Hg.)
Mensch – Maschine – Gott
Grundfragen der Anthropologie am Beispiel des Golem-Mythos
Rehburg-Loccum 2007
160 Seiten 14,- Euro

Die Arbeitshilfe bietet umfangreiches  Unterrichtsmaterial für die  Beschäftigung  mit der jüdischen Überlieferung vom Golem. Zentrale Fragen der jüdisch-christlichen Anthropologie werden verbunden mit konkreten ethischen und theologischen Herausforderungen der Gegenwart.

Der Band gliedert sich in einen grundlegenden theoretischen und einen unterrichtsbezogenen praktischen Teil.
Nach der Darstellung  der jüdischen und christlichen Anthropologie wird der breit gefächerten Golem-Überlieferung  in  Religionsgeschichte, Literatur, Film,  bildender Kunst und  Musik  ausführlich nachgegangen. U.a. wird ausführlich auf den berühmten Stummfilm von Paul Wegener Der Golem, wie er in die Welt kam (1920) eingegangen. Im Zusammenhang mit der  bildenden Kunst werden  Werke von Niki de Saint Phalle, R.B. Kitaj und anderen zeitgenössischen Künstlern besprochen. Zusätzlich werden in eigenen Artikeln konkrete ethische Fragen aufgegriffen, beispielsweise aus dem Gebiet der Biotechnologie oder der Diskussion um Robotik und künstliche Intelligenz.
Die Unterrichtsvorschläge des zweiten Teils beziehen sich auf die Sekundarstufen I und II. Sie umfassen u.a. vier ausführliche Unterrichtsreihen, deren Verlauf  ausführlich beschrieben wird. Praxisbeispiele einer Filmvorführung in einer Klosterkirche, einer Kunstausstellung oder einer Studienfahrt nach Prag bieten weitere Anregungen für Schule und Gemeinde.
Alle Arbeitsblätter, Quellentexte und Bilder sind zusammen mit weiteren Materialien  auf der beigelegten CD-ROM verfügbar.
Zahlreiche Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Fachgebieten haben an der Arbeitshilfe mitgewirkt. Verantwortliche Herausgeber sind Dr. Ursula Rudnick, Judaistin und Professorin für Religionspädagogik sowie Studienleiterin von „Begegnungen - Juden und Christen. Niedersachsen e.V.“ und Steffen Marklein, Dozent für Medienpädagogik am Religionspädagogischen Institut Loccum. Die Arbeitshilfe eignet sich auch als Lese- und Studienbuch.

Bezug: Religionspädagogisches Institut Loccum
Uhlhornweg 10-12    
31547 Rehburg-Loccum
Tel.: 05766/81-139  Fax: 05766/81184
Internet: www.rpi-loccum.de

Pier Paolo Pasolini
Der heilige Paulus
Herausgegeben von Reinhold Zwick und Dagmar Reichardt
Aus dem Italienischen übersetzt von Dagmar Reichardt, mit einem kritischen Kommentar der Herausgeber sowie einem Nachwort von Reinhold Zwick
Schüren Verlag GmbH
Marburg 2007
19,90 €

Was soll man erwarten, wenn man ein Buch des berühmten italienischen Filmregisseurs Pasolini mit dem Titel Der heilige Paulus in den Händen hält? Einen Roman? Einen Filmkommentar?  Nein, selbstverständlich handelt sich um ein Drehbuch! Reinhold Zwick, Professor für Biblische Theologie an der Universität Münster und ausgewiesener Filmkenner hat es zusammen mit der Sprach- und Literatur- wissenschaftlerin Dagmar Reichardt aus Bremen als deutsche Erstausgabe übersetzt und herausgegeben. Im sorgfältig recherchierten Nachwort zeichnet Zwick u.a. die Entstehungsgeschichte des Paulus-Projekts nach, zu dessen filmischer Umsetzung es nie gekommen ist. Pasolini, der im Gegensatz zu seiner berühmten, überlieferungs- treuen Verfilmung des Matthäus-Evangeliums (1964) hier eine spannende Aktualisierung der Geschichte plante, hatte bis zu seinem jähen Tod 1975 keinen Produzenten gefunden, so dass es lediglich bei der posthumen Herausgabe des italienischen Drehbuchs blieb.
In der Auseinandersetzung um die Verfilmung biblischer Personen und Geschichten kann das Drehbuch Pasolinis einen hilfreichen Beitrag liefern. Es gibt nur wenige Paulus-Filme, die zudem nur selten von besonderer Qualität sind. Die Gründe hierfür lassen sich nur vermuten. Doch auf dem Hintergrund der Bedeutung des Paulus für die christliche Theologie und Kirchengeschichte  scheint die Beschäftigung mit Paulus allemal lohnend. Nicht zuletzt aus diesem Grund wäre es spannend, wenn sich ein Regisseur oder eine Regisseurin der Gegenwart von der alten Drehbuchvorlage Pasolinis neu inspirieren ließe!

Michael Althen
Warte, bis es dunkel ist
Eine Liebeserklärung ans Kino
Karl Blessing Verlag
München 2002
21,90 €

Um zu lernen, wie man Filmkritiken schreiben kann, „gibt es keine andere Schule als das Kino selbst“, so schreibt der bekannte Filmkritiker Michael Althen. Man muss viele Filme eines Regisseurs, eines Genre, eines Schauspielers  gesehen haben, um etwas über einen bestimmten Stil oder eine andere Besonderheit eines Films sagen zu können. Michael Althen erzählt in seinem Buch über den Weg, der ihn  zum leidenschaftlichen Cineasten und Filmkritiker werden ließ. Es ist interessant zu sehen, wie wichtig  in den späten  1960er Jahren das Fernsehen für seine spätere Filmbegeisterung gewesen ist,  wie Althen als Jugendlicher mit dem Cassettenrecorder die Tonspuren der Filme  aufgenommen hat und sich so die Filme immer wieder in Erinnerung gerufen hat, wie er die Namen von Schauspielern gesammelt und auswendig gelernt hat u.v.m.,  ja, und alles mündet in einer faszinierenden Hommage an das Kino. Frank Böckelmann zitierend schreibt Althen: „Der Kinobesuch ist ein Anlauf ins Vergessen, getrieben von der Hoffnung auf Verwandlung. Niemand geht ins Kino, um sensibler, erfahrener und gebildeter zu werden, mag er es sich auch einbilden. Jeder will in das Land eines unerbittlichen Wunders geschleust werden. Er betritt das noch nicht verdunkelte Kino als den Ort eines sich zuverlässig einstellenden Exzesses. Da warten schon andere in den Reihen: Ihr also auch.“  Darüber ließe sich nachdenken und diskutieren!
Unzählige Filme scheinen es zu sein, die Althen in den letzten Jahrzehnten gesehen und bedacht hat. In ihnen spiegeln sich jedoch nicht nur seine Erfahrungen und Kinoerlebnisse. Auch die Leser und Leserinnen seines Buches werden mit hineingenommen in einen Streifzug der  Filmgeschichte, die letztlich davon erzählt, dass das Kino bis heute nichts von seiner Faszination und Großartigkeit verloren hat!

Alain Bergala:
Kino als Kunst – Filmvermittlung an der Schule und anderswo,
Hg. Bettina Henzler und Wilfried Pauleit;
Schüren Verlag Marburg – 2006
14,90 €

In "Kino als Kunst" widmet sich Alain Bergala – theoretisch reflektiert und praxisnah – der Frage, wie das Medium Film heutzutage im Schulunterricht eingesetzt werden kann, um Kinder von klein auf für das Kino zu begeistern und zu einem kompetenten Publikum mit vielfältiger ästhetischer Erfahrung heranzubilden. Er greift dabei auf sein umfassendes theoretisches und filmhistorisches Wissen sowie seine Erfahrungen aus der Film- und Lehrpraxis und der Bildungspolitik zurück.
Das Buch behandelt unter anderem die Fragen: Wie kann Kino als Kunst unterrichtet werden? Was ist das Spezifische des Mediums in Abgrenzung zu anderen Künsten und den audiovisuellen Medien? Welche Filme eignen sich für den Unterricht? Bergala gibt konkrete Tipps und Beispiele zur Arbeit mit DVD im Unterricht und der Filmproduktion mit Schülern.
Das Buch ist kurzweilig und äußerst spannend zu lesen.

Der Autor: Alain Bergala verbindet in einer Person praktische Erfahrung mit fundiertem theoretischem Wissen: Er war Chefredakteur der Cahiers du cinéma und lehrt heute an der Filmhochschule FEMIS und der Universität Paris III. Er leitet das im Jahr 2000 von dem damaligen französischen Bildungsminister Jack Lang ins Leben gerufene nationale Schulfilmprogramm „L cinéma à l’école“.
Die Herausgeber: Bettina Henzler arbeitet an einer Dissertation zu Bergalas filmpädagogischen Konzepten im Kontext europäischer Filmvermittlung an der Universität Bremen. Winfried Pauleit ist Professor für Medientheorie und Kunstpädagogik an der Universität Bremen.

Eine sehr kostengünstige Ausgabe des Buches ist erschienen bei der
Bundeszentrale für politische Bildung Schriftenreihe Band 553 (www.bpb.de)

 

 

 

 

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