Der Filmtipp. Staffel 2018/2019

Ab September 2018 werden in 8 Orten der hannoverschen Landeskirche wieder 8 herausragende Filme gezeigt.

1. THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI (USA 2017. Regie: Martin McDonagh)

Eine über den Mord an ihrer Tochter verbitterte Frau klagt den örtlichen Polizeichef auf drei großen Werbetafeln der Untätigkeit an. Das sorgt in der Kleinstadt für Aufruhr und mündet in einen erbitterten Kleinkrieg. Eine meisterliche Mischung aus Rachethriller, Drama und lakonischer Komödie, in der die eskalierenden Konflikte mit schwarzem Humor und einigen Gewaltspitzen entfaltet werden. In dem Maße, wie die Hintergründe der Figuren deutlicher werden, wandelt sich der Film aber zum berührenden Drama, in dem es weniger um Rache als darum geht, untereinander und für sich selbst so etwas wie Gnade walten zu lassen. - Sehenswert ab 15.
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2. DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER (Deutschland 2017. Regie: Lars Kraume)

Im Oktober 1956 erfahren zwei Abiturienten aus Eisenhütten-stadt von der blutigen Niederschlagung der Unruhen in Ungarn. Spontan organisieren sie eine Schweigeminute in ihrer Klasse, was massive Repressionen der DDR-Behörden nach sich zieht. Das mit viel Feingefühl inszenierte Drama konzentriert sich auf die Gewissensnot der Jugendlichen. Sie sollen die Namen der Rädelsführer verraten, wenn sie zum Abitur zugelassen werden wollen. Ihre Figuren sind als komplexe Charaktere angelegt, was ihr moralisches Dilemma umso glaubwürdiger macht. - Sehenswert ab 15.
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3. KÖRPER UND SEELE (Ungarn 2017. Regie: Ildikó Enyedi)

Der introvertierte Finanzdirektor eines Schlachthofs und eine autistisch erscheinende Qualitätsprüferin erfahren durch Zufall, dass sie identische Träume haben, in denen sie als Hirsche durch einen Wald wandeln. Die Erkenntnis führt die beiden dazu, sich auch im Leben aufeinander zuzubewegen. Während der ältere Mann verdrängte Gefühlsregungen wachrufen muss, bemüht sich die Frau, das ihr unbekannte Phänomen der Liebe zu erforschen. Eine subtil entwickelte Romanze in fein komponierten Bildern, die mit großer inszenatorischer Meisterschaft von einer allmählich wachsenden Leidenschaft erzählt. - Sehenswert ab 16.

4. IN DEN GÄNGEN (D 2018. Regie: Thomas Stuber)

Ein junger Mann fängt nach seiner Entlassung aus dem Knast als Mitarbeiter in einem Großmarkt an, wo er sich schnell eingewöhnt, weil ihn ein älterer Kollege unter die Fittiche nimmt und er sich überdies in eine Angestellte verliebt. Der leise, feinsinnige Film entfaltet eine subtile Liebesgeschichte mit großem atmosphärischem Zauber, ausgefeilten Alltagsdialogen und einer großen Sympathie für die scheinbar banale Arbeitswelt. Ästhetisch knüpft die Inszenierung an eine (post-)sozialistische Kunstauffassung an, die Hochkultur und Arbeiterklasse versöhnen wollte. - Sehenswert ab 14.

5. ELDORADO (CH/D 2018. Regie: Markus Imhoof)

Der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof erinnert sich angesichts der im Mittelmeer ertrinkenden Flüchtlinge an seine eigene Kindheit, als nach dem Krieg eine junge Italienerin aus dem ausgebombten Mailand in seiner Familie Unterschlupf fand. Der essayistische Film verbindet persönliche Reflexionen, Briefe und andere Dokumente mit bedrängenden Gegenwartsbildern sowie investigativen Recherchen, die dem zynischen Kreislauf der Ausbeutung illegaler Migranten auf die Spur kommen. Durch den unmittelbaren emotionalen Zugang verdichtet sich der Film zum eindringlichen, zutiefst humanistischen Appell an die Verantwortung der Menschen füreinander. - Sehenswert ab 14.

6. DIE GÖTTLICHE ORDNUNG (CH 2017. Regie: Petra Volpe)

Anfang der 1970er-Jahre wandelt sich eine Hausfrau aus einem Dorf im Appenzellischen unter dem Einfluss der Debatte um das Frauenwahlrecht in der Schweiz zur sanften Streiterin für die Sache. Doch ihr öffentliches Engagement sorgt sowohl im Dorf als auch in ihrer Ehe für Spannungen. Hintersinnige Tragikomödie, die auf authentischen Erlebnissen beruht, was sich in der stimmungsvollen Verdichtung von Geist und Atmosphäre der damaligen Zeit manifestiert. Die erfrischende, unterhaltsame Lektion in Sachen direkter Demokratie erzählt nebenbei die Geschichte der sexuellen Revolution in der Schweiz. - Sehenswert ab 14.

7. MARIA MAGDALENA (GB 2018. Regie: Garth Davis)

Der Bibelfilm erzählt die Geschichte der Maria Magdalena, die aus einer tiefen Gotteserfahrung heraus eine Berufung erlebt und als Zeugin Jesu die Botschaft der Auferstehung verbreitet. Ästhetisch bleibt der eindrucksvolle Film zwar den konventionellen Darstellungsformen des Bibelfilms verhaftet, doch es gelingt der Inszenierung und den überzeugenden Hauptdarstellern, einen frischen Zugang auf das Evangelium zu eröffnen. Dabei rückt die Frage nach dem Reich Gottes in den Mittelpunkt, das nicht in einer politischen Revolution Gestalt gewinnt, sondern in den Herzen der Menschen. - Sehenswert ab 16.
 

7a. DAS ENDE IST ERST DER ANFANG (B/F 2015. Regie: Bouli Lanners)

Zwei gealterte Rocker sollen für ihren Boss ein Handy wieder-beschaffen.Dabei treffen sie in einer unwirtlichen Gegend auf feindselige Provinzler, werden aber durch unerwartete Begegnungen auch auf neue Bahnen gelenkt. Das verfolgte Paar erhält derweil unverhoffte Hilfe, als ihm Jesus erscheint. Eine brillant inszenierte, von warmherzig gezeichneten Figuren lebende Tragikomödie, die souverän Roadmovie und Western zitiert und mühelos den Bogen zwischen schwarzem Humor und existenziellem Drama schlägt. Zugleich plädiert der Film unaufdringlich für die Notwendigkeit gegenseitiger Anteilnahme.

8. LUCKY (USA 2017. Regie: John Carroll Lynch)

Lucky ist ein 90-jähriger Eigenbrötler, Atheist und Freigeist. Er lebt in einem verschlafenen Wüstenstädtchen im amerikanischen Nirgendwo und verbringt seine Tage mit bewährten Ritualen – Yoga und Eiskaffee am Morgen, philosophische Gespräche bei Bloody Mary am Abend. Bis er sich nach einem kleinen Unfall seiner Vergänglichkeit bewusst wird. Der von der melancholisch-gelassenen Präsenz Harry Dean Stantons getragene Film kreist um die Frage, wie der Einzelne existentielle Herausforderungen deutet, bewertet und meistert und wie er mit der Endlichkeit des Lebens umgeht. - Sehenswert ab 14.

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Kerstin Grünwaldt
Tel.: 0511 1241-432

Filmbesprechungen sämtlicher Staffeln

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