Foto: Matthias Surall, HkD

KUNSTPROJEKT - Stephanie Link

Kunstprojekt „LebensRaum“ und Andachtsstätte „Engel“ auf dem Friedhof Himmelpforten

Zum Friedhof

Der Friedhof der Ev. Kirchengemeinde St. Marien in Himmelpforten setzt seinen Fokus im Wesentlichen auf zwei Themen: Zum einen wird der Aspekt der Biodiversität in den Blick genommen, zum anderen wird der Friedhof auch als Ort für zeitgenössische Kunst profiliert.

Der Umwelt zuliebe wird auf dem Friedhof in Himmelpforten großer Wert auf eine naturnahe Gestaltung gelegt, die neben einem schönen Anblick vor allem Lebensraum für Insekten bietet. Dazu wurden besonders insektenfreundliche Bäume und Sträucher angepflanzt, weiter wird eine umweltfreundliche und zugleich weniger kosten- und arbeitsintensive Grabgestaltung angestrebt.

Außerdem wurde bereits zweimal mit der Künstlerin Stephanie Link zusammengearbeitet. Die beiden entstandenen Kunstwerke zeigen beispielhaft, wie der Friedhof zum Raum für zeitgenössische Kunst und Kultur werden kann.

Andachtsstätte „Engel“

Drei Stufen führen zu einem Engel, der – einem Fenster gleich – den Blick auf den Friedhof eröffnet: Die eine Hand zur Erde und damit dem Betrachter zugewandt, die andere zum Himmel oder in die Ferne gerichtet, scheint er die Verstorbenen an die Hand nehmen zu wollen, um sie gen Himmel zu geleiten. Vielleicht nimmt er aber auch die Angehörigen an die Hand, um ihnen zu verdeutlichen, dass Tod nicht gleich Ende ist. Die Künstlerin selbst beschreibt die eine Seite des Engels so, als würde er Verbindung zum Betrachter aufnehmen wollen, während die andere zum Gehen gewandt, quasi abflugbereit, ist.

Der Engel hat keinen Körper – seine Form, die einer schwebenden Gestalt, ist als Aussparung in eine Granitplatte innerhalb eines Rahmens eingearbeitet. Interessant sind hier die „Flügel“ des Engels, die anders als der Rest seiner Körperform nicht klar umrissen sind, sondern nur durch viele kleine Löcher angedeutet werden, ein wenig wie Sterne am Nachthimmel.

„Die ganze Skulptur ist eine Pforte zum Himmel. […] Der Engel lädt uns ein, ihm zu folgen, in eine andere Welt, aus der er uns als Bote entgegenkommt“, äußert sich Stephanie Link über den Engel. Zugleich sei er selbst der Durchgang. Allerdings führe dieser Durchgang auch genauso wieder zurück in unsere Welt. Durch die Form des Engels als Aussparung lässt er sich eben von zwei Seiten betrachten.

Zumindest geleitet einen die rückseitige Ansicht des Engels aber zurück in das Alltagserleben, wenn dahinter die Friedhofsbegrenzung und der Außenbereich erscheinen. Der Engel ist also eine Pforte in beide Richtungen.

Kunstprojekt „LebensRaum“

Ein blütenförmiges Mosaik aus gebranntem Ton, eingefasst durch die sich immer wiederholenden Worte „Das Ende | ist nicht“ - Stephanie Link hat hier besonders die wachsende Tendenz der zunehmend anonymen Bestattung in den Blick genommen. Ihr Kunstwerk bietet einen konkreten Ort für Trauer und Erinnerung.

Die Blütenform, die Rosette, verbindet geometrische Ordnung mit natürlicher Dynamik. „So liegt doch allem Chaos, als das sich Leben und Natur oftmals zeigen, ein Plan zugrunde, der uns das Gefühl gibt, alles hat seine Richtigkeit“, beschreibt die Künstlerin die gewählte Symbolik und verweist dabei ebenfalls auf die Kreisform, die den Zyklus des Werdens und Vergehens in der Natur und eben auch in Bezug auf Tod und Leben symbolisiert. Aus allem Ende, allem, was vergeht, entsteht auch wieder neues Leben.

Eingelassen ist das Mosaik in Sand, um die Wasserdurchlässigkeit des Bodens zu erhalten – auch hier wird wieder Wert auf Natürlichkeit und Umwelt gelegt. Das durch den „Triple-K-Fonds“ des Arbeitsfeldes Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste im Verbund mit der Hanns-Lilje-Stiftung geförderte Kunstwerk wurde am „Tag des Friedhofs“, dem 19. September 2021, mit einem Gottesdienst eingeweiht.

Im Hinblick auf die Vergänglichkeit der Blüte und ihrer Schönheit hält die Künstlerin schließlich fest: „In der Blütenform triumphiert das Leben über den Tod.“

Kimberly Kroczewsky

Praktikantin im Arbeitsfeld Kunst und Kultur