© Diözese Hildesheim. Detailansicht zum Rückriemaltar im Hildesheimer Dom

Rückriemaltar in Hildesheim

Ein Tipp verfasst von Dr. Michelle Macaulay/Uelzen

Uralter Stein für einen neuen Domaltar

Nach fünfjährigen Sanierungsarbeiten ist der Hildesheimer Dom seit dem 15. August 2014 wieder öffentlich zugänglich.
Den neuen Altar gestaltete der international bekannte Bildhauer Ulrich Rückriem. Der Altar besteht aus 120 Millionen Jahren altem Stein, den der Künstler aus einem einzigen Block Anröchter Dolomit geschaffen hat.
Der Steinbruch zwischen Anröchte und Soest dient Rückriem seit Jahrzehnten als Materialquelle für seine Werke. Der Stein entstand aus Muscheln und Sand, als sich dort vor Jahrmillionen das Meer zurückzog und sich mit der Zeit eine Steinlandschaft bildete.

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© Diözese Hildesheim. Der Rückriemaltar im Hildersheimer Dom

Kubische Formgestaltung

Das Werk erscheint in dem hellen Grün der ältesten Schichten des Kalksteins. Er ist 90 cm hoch, 1,90 m breit und 1,10 m tief und besteht aus drei Teilen. Die Deckplatte allein wiegt 2,5 Tonnen.
Der Künstler bearbeitete den Stein lediglich mit zwei horizontalen und fünf vertikalen Schnitten sowie einer horizontalen Mittelspaltung. Somit wirkt der Stein beinahe naturbelassen, was seine ursprünglichen Materialeigenschaften unterstreicht.
Dieses Verfahren ist charakteristisch für den Künstler: Ein Stein mit reduzierter, kubischer Form wird geteilt und anschließend werden die Teile miteinander kombiniert.

Vergoldete Altarfüße

Die vergoldeten Innenseiten der Altarfüße erinnern daran, dass sich im Mittelalter unter dem Altar ein Reliquienschrein befand. Auch die neue Platzierung exakt über dem Godehardschrein, der Krypta unter dem Chorraum, korrespondiert mit diesem Detail.

Korrespondenz mit dem Raum

Ulrich Rückriem sieht seine Werke in engem Zusammenhang mit dem Raum, in dem sie stehen:
„Erst der Ort gibt der Skulptur die Bedeutung und macht aus einem steinernen Tisch, wie er überall stehen könnte, einen Altar, der unverrückbar steht und an dem sich Heiliges vollzieht."
Der Altar stellt eine gelungene Ergänzung zu den mittelalterlichen Kunstwerken des Hildesheimer Doms wie der Bernwardstür (1015), der zur selben Zeit entstandenen Christussäule und der Heziloleuchter (spätes 11. Jahrhundert) dar. Durch seine reduzierte, monumentale Form passt er sich hervorragend an seine Umgebung an.

Biografisches

Ulrich Rückriem wurde am 30. September 1938 in Düsseldorf geboren. Er absolvierte von 1957 bis 1959 eine Steinmetzlehre in Düren bei Aachen. Im Anschluss daran arbeitete er an der Kölner Dombauhütte und studierte an den Kölner Werkschulen. Parallel dazu arbeitete er als freischaffender Künstler. Ab 1969 verbrachte er einige Jahre in Mönchengladbach und zeitweise in Irland und in der Normandie. Es folgten Professuren an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (seit 1974), der Kunstakademie Düsseldorf (seit 1984) und der Städelschule in Frankfurt am Main (seit 1988). Heute lebt und arbeitet Rückriem in Köln und London. Als Materialien benutzte er bis 1967 Holzbalken, seit 1968 arbeitet er mit Stein. Der Künstler wird häufig dem Minimalismus oder der Konzeptkunst zugerechnet.

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© Diözese Hildesheim. Detailansicht zum Rückriemaltar

Detail der Altarfüße